1. Juni – meteorologischer Sommeranfang. Heute passt das: die Sonne strahlt von einem locker bewölkten Himmel, die Temperaturen sind angenehm und locken zu einem Spaziergang nach draußen. Vergangenes Jahr war das gaaaanz anders. Das Foto unten zeigt eine Aufnahme vom 1. Juni 2013, genau 12.00 Uhr Mittag, an unserem Dorfteich. Weltuntergangsstimmung. Und genauso entwickelten sich die darauffolgenden Tage, in denen zwar nicht die ganze Welt, aber zahllose Städte und Gemeinden in Sachsen, darunter auch Leppersdorf, ein stückweit untergegangen sind – und zwar im wörtlichen Sinne. Was sich zu dieser Zeit hier abspielte, ist unseren Galerien und diesem Bericht zu entnehmen.

 

Genau ein Jahr ist seitdem vergangen. Ein Jahr, in dem der Begriff „Flutschutz“ immer wieder für Diskussionen sorgte – in der Bevölkerung, in der Gemeinde, die sich monatelang mit dem Kampf um die Fördermittel herumschlagen musste. Bürokratie, Hinhaltung von staatlicher Seite. Unverständnis von allen Seiten. Immerhin ist es nun zwischenzeitlich so, dass die Maßnahmen für den zweiten Abschnitt nun begonnen haben und es sich nun tatsächlich endlich etwas bewegt.

 

Seit diesem verregneten Juniwochenende des vergangenen Jahres hat Leppersdorf Glück gehabt. Die Regenfälle hielten sich das ganze Jahr über in Maßen; der Winter war keiner. Doch Verlass ist auf Petrus nicht, und im Zweifelsfall Gnade auch nicht zu erwarten. Seinen sprichwörtlichen „erhobenen Zeigefinger“ hat er uns am vergangenen Freitag gezeigt. Nach ein paar sommerlich heißen Tagen öffnete der Himmel am Nachmittag des 23. Mai seine Schleusen und ließ herunter, was nur ging. Und es kam, wie es kommen musste: Den Sturzbächen von oben folgte der Sturzbach namens Kleine Röder, die innerhalb kürzester Zeit – sinnbildlich gesprochen – beängstigend „dicke Backen“ bekam (und die, die es beobachteten, auch). Betroffen war dabei insbesondere der Abschnitt von der Autobahn bis zum Dorfteich, der, zum Bersten gefüllt, doch noch rechtzeitig genug abgelassen werden konnte.

 

Und das, was sich da in der Kleinen Röder anstaute, war eine tiefbraune Brühe, die sich von den Feldern herein ergoss und massenweise Ackerboden mit sich riss. Einen Teil davon kehrten Einwohner vor ihren Garagen wieder weg. Dies ist in der Vergangenheit immer wieder passiert und beileibe kein Einzelfall.

 

Schaut man aus der Ferne auf Leppersdorf – aus Richtung Pulsnitz oder Kleinwolmsdorf kommend zum Beispiel, dann fällt auf, dass der Ort in einer Senke liegt, die ringsum von Feldern umgeben sind. Jetzt, wo diese Felder bewachsen sind, ist es weniger sichtbar; doch im Frühjahr und Herbst fällt dem Betrachter unweigerlich ins Auge, dass ringsherum die Äcker so gepflügt sind, dass die Furchen in schöner Regelmäßigkeit abschüssig zum Gelände – in Richtung Dorf – gezogen sind und damit der Bodenerosion zusätzliche Nahrung geben.

 

Man muss physikalisch nicht bewandert sein um zu verstehen, dass die Längsfurchen den Wasserfluten und Schlammmassen den Weg leichter und schneller ebnen als wenn diese Furchen quer zum Hang gezogen würden.

 

Die Flutvorsorge, zu der Grundstücksanlieger an den hochwassergefährdeten Gebieten aufgerufen wurden, ist schön und gut. Doch letztendlich sind sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein und keinesfalls dazu geeignet, die Wucht eines Hochwassers, wie wir sie in Leppersdorf nun schon zum wiederholten Male erlebten, aufzuhalten. Klar sollten sich die Anlieger im eigenen Interesse Gedanken machen, um Schäden vorzubeugen. Wenn Holzstapel, Heuballen und anderes Sperrgut die Wehre verstopfen und Brücken zusätzlich anstauen, ist es durchaus wichtig und sinnvoll, hier so gut wie möglich vorzusorgen, das ist keine Frage. --- Aber dennoch – das Maß der Dinge sind diese Maßnahmen nicht. Sie sind ein winziger Schritt, die Folgen in geringem Umfang einzudämmen; die URSACHE zu beseitigen helfen sie keinesfalls.

 

Die Bauarbeiten zum Flutschutz haben begonnen

Doch so, wie vom Einzelnen gefordert wird, Prävention zu betreiben, so sollte es doch erst recht an einer Stelle gefordert werden, wo es auf jeden Fall Sinn machen würde. Dazu gehört eben ein Appell an die Landwirtschaftliche Agrargenossenschaft, die Felder quer zum Ort hin zu pflügen, so dass das Wasser nicht mehr derart ungehindert in den Ort geschwemmt wird. Eine einfache und unkomplizierte Vorsichtsmaßnahme, so denkt jeder – außer die Verantwortlichen der Genossenschaft. Wir hatten bereits im Herbst des vergangenen Jahres um Kontakt ersucht und haben diesen auch erst nach wiederholtem Nachfragen telefonisch erhalten.

 

Die letzte Gemeinderatssitzung hat genau dieses Thema, angesprochen durch Ortsvorsteher Volkmar Lehmann (OBL), wieder einmal aufgegriffen. Besorgte und betroffene Bürger hatten sich nach dem Starkregen des 23. Mai gemeldet, und bei der Zusammenkunft des Gemeinderates am 27. Mai wurde das Problem prompt angesprochen. Unsere Redaktion war dabei anwesend und erfuhr hier genau das, was wir selbst schon an Erfahrung im Gespräch mit der Agrargenossenschaft sammeln „durften“: Dass nämlich die Genossenschaft keinerlei Notwendigkeit in einer Änderung ihrer Flächenbearbeitung sieht, da diese Maßnahmen aus ihrer Sicht keinerlei Auswirkung hätten. Auch Bürgermeister Veit Künzelmann (CDU) hatte in der Vergangenheit mehrfach um eine sachliche Diskussion ersucht, doch leider ohne Ergebnis. Die vorgebrachten Argumente leuchten Keinem ein und beziehen sich reineweg nur auf Bürokratie und (natürlich am Schreibtisch) ausgearbeitete Richtlinien der Cross Compliance, die lediglich allgemeingültige Einschätzungen beinhalten. Bürokratie und Vernunft passen bekanntlich nur in den seltensten Fällen zusammen.

 

Es gibt Beispiele (uns ist dies z.B. aus der Richtung Bahratal bekannt), dass Einsicht kontra Richtschnur enorme Verbesserungen erzielen können. Dort wurde nämlich nach mehrfachen Debatten tatsächlich die Pflügrichtung statt längs nun quer zur Ortschaft geändert und damit wirkliche Verbesserungen erreicht.

 

Gemäß der geltenden Klassifizierung sehe die Agrar-Gesellschaft in Lichtenberg keinerlei Handlungsbedarf. Vielleicht sollte man weiter „oben“ ansetzen, beim Amt für Landwirtschaft zum Beispiel. Wir gehen davon aus, die Gemeinde hätte die Unterstützung der Einwohner auf ihrer Seite.

Was ist Euere Meinung hierzu?

 

 

 

Weiterführende Informationen: EU-Wasserrahmenrichtlinie und Erosionsschutz

 

 

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