Der Pestkirchhof bei Leppersdorf


Von Großröhrsdorf nach dem benachbarten Leppersdorf führt ein Fußweg. Derselbe bringt den Wanderer am Walde vorüber.  Hier bezeichnet der Volksmund eine Stätte als den Pestkirchhof. Dieser einsame Platz diente zur Pestzeit als Begräbnisstätte.

 

Hier begrub man zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges diejenigen Bewohner von Leppersdorf, die von der tückischen Pest hinweggerafft wurden. Im Jahre 1631 brach diese furchtbare Seuche aus und wütete daselbst bis zum Jahre 1638. Die Pest soll in Leppersdorf so schrecklich aufgetreten sein, daß 1635 der Ort verödet war und leer stand. Wer von dieser bösen Krankheit verschont geblieben war, floh. Nach Monaten erst kehrten die Menschen wieder zurück, fanden dann aber oftmals  ihre heimatliche Hütte verwüstet vor.

Die rohen Krieger hatten sie in Brand gesteckt. Nach und nach sammelten sich die noch lebenden Bewohner des Dorfes wieder auf den Trümmern ihres einstigen Glückes. Doch da brach die Pest von neuem aus. Dazu stellten sich auch die mordlustigen Krieger wieder ein, und die unglücklichen Bewohner Leppersdorfs mußten abermals fliehen. Im Jahre 1638 kehrten endlich Ruhe und Sicherheit vor den Feinden ein, auch schien die Pest verschwunden zu sein. Der Ort bevölkerte sich nach und nach wieder. Die Gräber auf dem Pestkirchhofe verfielen mit den Jahren, da niemand mehr dort begraben wurde, und bald zog der Pflug über sie seine Furchen, doch der Name „Pestkirchhof“ blieb erhalten bis auf den heutigen Tag.

 

In „Christians Lehmanns Schauplatz der natürlichen Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober Ertzgebirge“ vom Jahre 1699 befindet sich pag. 965 folgende Notiz:

 

„Anno 1680 am 28. Julii gieng eine fromme Bauersfrau von Leppersdorf nach Radeberg, dieser begegnete ein klein weißes Kind auf dem Wege und sagte, es würde eine weit um sich greiffende Pest entstehen, die anders nicht als durch Buße und Bekehrung zu Gott könne gewendet werden, darum sollte sie Gott um Abwendung ernstlich anruffen.“

 

 

 

 

 

 

 

Der vorliegende Artikel wurde dem Buch "Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen" (S. 194–195, erschienen im Jahr 1904, Autor: Friedrich Bernhard Störzner) entnommen. Wir bedanken uns beim Digitalisat der SLUB Dresden, die uns das Buch in Digitaler Form zur Verfügung gestellt hat, für die freundliche Genehmigung.   

 

 

 

 

 

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