Erinnerungen der Bibliothekarin Reingard Erler

Quelle: Handschriftliche Originalaufzeichnung von Frau Reingard Erler (1926 - 2009)

Bibliotheksleiterin von 1959 bis 2000

 

 

Wie lange es in Leppersdorf eine Bibliothek gibt, kann ich nicht feststellen. Aber ich weiß, dass es um 1940 eine Volksbücherei gab, die vom Schulleiter, Herrn Kliesch, verwaltet wurde. Sie befand sich in seinem Arbeitszimmer, im 1. Stock des jetzigen Ortsamtes. Herr Kliesch kam im April 1945 bei den Kriegs-ereignissen in Leppersdorf ums Leben.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in den Räumen der Schule mit einem Bücherschrank, noch vorhandenen, ausgesuchten Büchern der Volksbücherei und neuen Editionen (hauptsächlich Sowjetliteratur) von Herrn Hempel, Neulehrer an der Schule, die Bibliothek wieder eröffnet. Nach einigen Jahren übernahm Frau Becker, Frau des damaligen Bürgermeisters, die Bücherei. Diese befand sich im damals noch bestehenden Gasthof Eisold. Nachdem der Bürgermeister abgelöst worden war, beendete auch Frau Becker ihre Tätigkeit.

 

Ab Anfang 1959 leitete Frau Ziesche, Mitarbeiterin im Gemeindeamt, die Bücherei vorübergehend bis September 1959. Die Bücherei war inzwischen mit ergänzenden Möbeln und auch neuen Büchern ins Gemeindeamt umgezogen. Ab 1. September 1959 übernahm ich die Bibliotheksleitung bis Ende Januar 2000.

 

In dieser Zeit erfolgte die Umstellung zur Freihandbücherei (Selbstauswahl der Leser aus offenen Regalen). Zwischenzeitlich gab es aus Platzgründen wieder einen Umzug in Eisolds Gasthof. Dort war es aber so nass, dass die Bücher gefährdet waren und ins Gemeindeamt zurückgebracht werden mussten. Die Enge des Raumes musste in Kauf genommen werden. Bis zum Umzug in das Erdgeschoss des Ortsamtes 2003 hatte die Bibliothek dort ihren Platz.

 

Der Buchbestand stieg jährlich durch Neuanschaffungen über die Kreisbibliothek. Einige Jahre gab es auch Geld vom Rat der Gemeinde. Damit wurde hauptsächlich Zeitschriften abonniert, die sehr gefragt waren, z.B. Magazin, Frösi, Neues Leben, Motorsport, Sputnik, Straßenverkehr, Gesundheit, Handarbeit, Mode, Kultur im Heim, Guter Rat und viele mehr. Wenn ich mich recht erinnere, waren es ca. 24 Abos. Durch Leihbestände aus Kreisbibliothek und Kreiskinderbibliothek wurde das Angebot an zeitgemäßer und historischer Literatur sehr erweitert. Viele Leserinnen und Leser nutzten auch das Bestellsystem über die Kreisbibliothek, wenn sie Fach- und Sachbücher z.B. für Prüfungen benötigten.

 

 

Mit der Schule, z.B. Verbindungslehrerin Frau Weis, wurden regelmäßig Zusammenkünfte wie Buchlesungen, Klassenführungen, Märchenraten, Buchausstellungen und anderes durchgeführt.

 

Mit einer Heimarbeiterinnen-Brigade konnte ich eine gute Zusammenarbeit aufbauen. Regelmäßig zur „Woche des Buches“ im Mai und zur „Woche der Sowjetliteratur“ im November fanden Brigadenachmittage und Treffen in der Bibliothek statt.

 

Zur damaligen Zeit waren Studenten, Schüler und Lernende sehr auf die Bücherei angewiesen, denn viele der vorhandenen Bücher waren schwer zur erwerben. Dadurch erklärt sich auch der gute Besuch der Bibliothek.

 

Es gab jährlich einen Leistungswettbewerb der Gemeindebüchereien in verschiedenen Größenklassen im Landkreis. Bewertet wurden: Erfüllung der vorgegebenen Planzahlen (Ausleihe, Leser, Bestand), Arbeit mit den Lesern (Klassenführungen, Lesungen), Teilnahme an den monatlichen Weiterbildungen in Kreisbibliothek und Kreiskinderbibliothek, eigenes Lesen, Berichte und Buchbesprechungen darüber in der Kreisbibliothek und im Fachblatt „Der Bibliothekar“, sowie Buchpflege und Neueinstellungen. Mit einem Drittel aller Einwohner als Leser und durchschnittlich 20 Entleihungen jährlich pro Leser belegte unsere Gemeindebibliothek mehrmals Erste und Zweite Plätze im Kreiswettbewerb. Dazu einige Zahlen:

 

Jahr Bestand Leser Ausleihe
1959 592 177 2394
1968 726 312 4502
1978 1352 336 6742
1988 2401 303 6478

 

Nach der Wende erhielt die Bücherei einige Jahre viele z.T. sehr brauchbare Buchspenden aus Büchereien und Privatbesitz durch die Gemeinde Lappersdorf bei Regensburg.

 

 

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