Was haben die dänische Hauptstadt Kopenhagen und unser Leppersdorf gemeinsam? – Die Antwort: Ein Wahrzeichen, die Nixe; in Kopenhagen als Bronzefigur am Hafen – in Leppersdorf als dralle Sandsteinskulptur am Dorfteich.

 

Und was unterscheidet beide – von Form und Material einmal abgesehen? Die Antwort: Beim Stichwort „Kopenhagen Nixe“ liefert die Suchmaschine Google über 200.000 Ergebnisse. Sucht man nach „Leppersdorf Nixe“, bekommt man nur bruchstückhafte Verweise, die kaum mehr als die Info in einem Satz liefern, dass Leppersdorf seit 2003 eine Teich-Nixe als Wahrzeichen besitzt. – Na gut, zugegeben: Kopenhagen mit Leppersdorf gleichzustellen, ist ja schon bisschen wagemutig, aber trotz allem dennoch Anlass genug, um der Geschichte von „Rusalka, der Teich-Nixe“ einmal auf den Grund zu gehen.

 

Und wer könnte besser dazu Auskunft geben als die Schöpferin der Skulptur selbst – das Ergebnis war ein hoch interessantes und nettes Gespräch zwischen unserer Redaktion und der bulgarischen Bildhauerin Cvetanka Kirilova Schnorrbusch, die für uns ihr Fotoalbum und ihr Atelier öffnete.

 

Die Geschichte der Teichnixe nahm im Grunde genommen bereits 1996 ihren Lauf, als die Künstlerin, die nach einem Studium an der Universität Sofia und der Karlsuniversität Prag seit 1983 in Dresden lebte und wirkte, das hiesige Umland für sich entdeckte und in unserem Leppersdorf heimisch wurde.

 

Ursprünglich als Psychologin, Pädagogin und Soziologin tätig, hatte sie in den 1990er Jahren ihr Interesse für die Bildhauerei entdeckt. Eigentlich überwiegend eine Männerdomäne, probierte sie sich aus und fand dank ihres großartigen Mentors über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg Zugang zu einer künstlerischen Tätigkeit, die mehr und mehr zu ihrer Berufung wurde. Die positive Resonanz zahlreicher Künstlerkollegen gab ihr Recht und damit den Auftrieb, die Bildhauerei fortan zu ihrer Lebensaufgabe zu machen. Die Ehrung mit dem Kunstpreis des Landratsamtes Kamenz im Jahr 1998 würdigte ihr Schaffen schließlich auch öffentlich und verhalf ihr zunehmend ebenfalls zu überregionaler Anerkennung.

 

Die Geburt der Nixe

 

Als im Jahr 2002 der Dorfclub Leppersdorf mit der Bitte an die Bildhauerin herantrat, eine Skulptur für das Dorf zu schaffen, reagierte sie zunächst überrascht und zögerlich, doch deckte sich dieses Ansinnen mit dem eigenen Herzenswunsch, dem Wahlheimatort etwas Dauerhaftes, etwas Bleibendes von sich selbst zu schenken; dem Gefühl, die eigenen Fähigkeiten der Gemeinschaft zur Verfügung stellen zu dürfen. Die Idee von der Schaffung einer Skulptur für Leppersdorf nahm somit vage Gestalt an – der Weg bis zur Vollendung im wahrsten Sinne des Wortes steinig.

 

Wie beginnt man eine Arbeit, bei der man völlig freie Hand hat? Nach welchen Kriterien trifft man die Auswahl des Materials, des Motivs, des Standortes?

 

Ein Künstler arbeitet nach Intuition. Neben Holz und Ton ist für Cvetanka Kirilova Schnorrbusch Stein jedoch das Hauptmaterial – ihre Ausstellungen beherbergen u.a. Arbeiten aus Marmor, Alabaster, Serpentin --- und vor allen Dingen Sandstein. Dieses Material, sagte sie mit einer liebevollen Handbewegung über einen vor uns liegenden Block, ist etwas ganz Besonderes. Sandstein ist typisch für unsere Region, namentlich das Elbsandsteingebirge – ein Stück Heimat. Und jedes Stück Sandstein ist anders, ganz individuell. Vom Farbspektrum her, von seiner Konsistenz, den unzähligen Schattierungen ist jeder einzelne Stein ganz spezifisch, verbirgt seine ganz eigene, Jahrmillionen alte Entstehungsgeschichte.

 

Die Entscheidung, dass es also Sandstein sein würde, der für das Vorhaben zum Einsatz käme, war somit zielsicher getroffen. Unterstützung fand die Künstlerin durch eine Leppersdorfer Familie, die den Sandsteinblock für die Umsetzung des Vorhabens stiftete, wie sie dankbar berichtete.

 

Blieb die Wahl des Standortes – zentral, sichtbar, zugänglich. Eine der Möglichkeiten, die in Erwägung gezogen, jedoch dann wieder verworfen wurden, war die Verkehrsinsel an der Kreuzung Pulsnitzer Straße / Alte Hauptstraße, wo sich früher einmal das Ernst-Thälmann-Denkmal befand. Der Dorfteich erwies sich hier letztlich als der Ort, der den gestellten Ansprüchen gerecht wurde – eine Wiesenfläche am Ufer in der Mühlstraße.

 

Die Frage, welches Aussehen die Skulptur schließlich bekommen sollte, beantwortete schlussendlich der Standort. Die Idee von der Nixe war damit geboren.

 

Viele der Vorübergehenden wundern oder amüsieren sich über das – gelinde gesagt – dralle Aussehen der Figur, die den herkömmlichen Vorstellungen von einer eher grazilen Wassernixe (angelehnt an die Geschichte der Kleinen Meerjungfrau oder der Comiczeichnung von Arielle) scheinbar so völlig widerspricht. Die Antwort darauf ist so einfach wie verblüffend und lässt die Skulptur mit diesem Wissen plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen.

 

Wolkenfrauen

 

Die meisten Künstler durchleben in ihren Schaffensphasen Perioden, die ihren Werken innerhalb dieser jeweiligen Zeit ihr ganz typisches Aussehen geben. Die Geburt der Nixe fiel bei Cvetanka Kirilova Schnorrbusch in die Phase der „Wolkenfrauen“.

 

Kumuluswolken – bauschig, mächtig, wattig, faszinierend - sprichwörtliche „Bilderbuchwolken“, die bei strahlend blauem Himmel so kolossal und doch gleichzeitig fragil über uns schweben, gaben der Künstlerin hier ihre Inspiration. Eine ganze Reihe von Frauenfiguren – liegend, strahlend, üppig – sind das Ergebnis, und unsere Nixe eine davon.

 

Rund ein halbes Jahr lang arbeitete die Bildhauerin an dem Sandsteinblock, bis die Wolkenfrau mit Fischschwanz ihr endgültiges Aussehen erlangt hatte. Inspiriert durch Antonín Dvořáks Oper, einer Umsetzung von Andersens Märchen, erhielt sie liebevoll den Beinamen „Rusalka“.

 

Einweihung

 

Am 25. Oktober 2003 erfolgte dann in feierlichem Rahmen die Enthüllung der Skulptur am Ufer des Dorfteiches. Die Mitglieder des Dorfclubs packten fleißig mit an, um die Figur dort zu platzieren, wo sie sich noch heute lasziv räkelt.

 

Bürgermeister, Gemeindevorstände, Künstlerkollegen und natürlich Einwohner von Leppersdorf waren dabei, als Rusalka unter den Klängen des Posaunenchores ihr Domizil am Wasser bezog und die Künstlerin mit herzlichen Dankesworten für ihr Geschenk an ihr Heimatdorf bedacht wurde.

 

Cvetanka Kirilova Schnorrbusch freut sich noch heute über die Resonanz, die ihr entgegengebracht wird, freut sich zu sehen, dass die Skulptur wahrgenommen wird, dass sie anregt, sich Gedanken darüber zu machen.

 

Nun, das Geheimnis ihres Aussehens haben wir gelüftet. Und manch einer, der die dralle Figur der Nixe bisher vielleicht belächelte, wird heute in ihr nicht mehr nur den Wassergeist, sondern auch das erkennen, was sie noch verkörpert: die Wolkenfrau.

 

 

Leppersdorfer „Künstlerschmiede“

 

Neben dieser außergewöhnlichen Skulptur ist für Leppersdorf jedoch noch etwas geblieben, was durchaus nicht alltäglich ist. Bildhauerei ist eine ganz besondere Kunstrichtung, in der die geschaffenen Abbildungen dreidimensional dargestellt werden und daher ganz besondere Vorstellungskraft und Kreativität erfordern. Und dieses dann in einem schwer verarbeitbaren Material wie Stein umzusetzen setzt umso mehr Feingefühl voraus. --- Sich in dieser Richtung auszuprobieren, erste Schritte in diese Richtung zu wagen, ist in Leppersdorf möglich.

 

Bedingt durch den Umbau und Neuanbau der Grundschule war es im vergangenen und diesem Jahr nicht möglich, doch in den zurückliegenden fünf Jahren und der Zukunft gab und gibt es für die Schüler von Leppersdorf im Rahmen der Ganztagsangebote der Grundschule die Möglichkeit, sich unter der fachkundigen Anleitung von Cvetanka Kirilova Schnorrbusch mit der Bildhauerei vertraut zu machen und eigene Plastiken zu erschaffen. Für die Kinder ein großartiges Erlebnis, wenn sie stolz das Geschaffene vorzeigen – für die Künstlerin ein nachhaltiger Moment mitzuerleben, wie die von ihr gelebte Kunstrichtung schon unter den Kleinen begeisterte Anhänger findet --- und vielleicht auch Nachfolger?

 

Wir danken Frau Cvetanka Kirilova Schnorrbusch für das nette, aufschlussreiche Gespräch und die Bilder, die sie uns für die Homepage und damit die Gemeinschaft zur Verfügung stellte. Mehr Informationen über die Künstlerin, ihr Schaffen und ihre Werke gibt es hier!

 

... und hier noch ein paar Impressionen von der Einweihung der Teichnixe im Oktober 2003:

 

 

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  • Einweihung_Teich-Nixe_02
  • Einweihung_Teich-Nixe_03

  • Einweihung_Teich-Nixe_04
  • Einweihung_Teich-Nixe_05
  • Einweihung_Teich-Nixe_06

  • Einweihung_Teich-Nixe_07
  • Einweihung_Teich-Nixe_08
  • Einweihung_Teich-Nixe_09

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  • Einweihung_Teich-Nixe_25

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