"Wirtschaftswunder" Leppersdorf -

Blühender Handel und Gewerbe vor und nach dem Zweiten Weltkrieg

 

aus den handschriftlichen Aufzeichnungen der Leppersdorferin Reingard Erler (1926 - 2009)

 

Wer einkaufen will, fährt heute in die Einkaufszentren und Supermärkte in Radeberg oder Großröhrsdorf. Zum Glück gibt es noch einen Bäcker im Dorf, der auch Lebensmittel führt, einen Getränkehandel mit Lebensmittelangebot; außerdem einen Fleischer und einen Obst- und Gemüsehandel, die auf ihren fahrbaren Ständen einmal in der Woche frische Waren anbieten – für alle, die kein Auto haben oder schnell etwas brauchen. Man kann sich jetzt nicht mehr vorstellen, wie vielfältig das Angebot vor dem 2. Weltkrieg und auch noch danach gewesen ist.

 

Außer Bäcker

-          Ulke im Oberdorf, seit 1955 Kunath, gab es

-          Knöfel im Niederdorf.

-          Die „Semmelfrauen“ Martha Wagner und Alma Rosenkranz trugen die frischen Brötchen aus.

 

Fleisch und Wurst konnte man bei

-          Tille im Obergasthof und bei

-          Schöne in der Mittelstraße 1 kaufen.

         

Hausschlächterei machten

-          Emil Richter, Mühlstraße 19;

-          Kurt Großmann, Röderstraße 8 und

-          Emil Gneuß, Pulsnitzer Straße 5.

 

Als Fleischbeschauer waren

-          Richard Schöne, August-Bebel-Straße 17 und

-          Büttner, Mühlstraße 19 zuständig.

 

Lebensmittel erhielt man bei

-          Bonack in der Badstraße 2a,

-          Weber, Alte Hauptstraße 24

-          Gräfe, Alte Hauptstraße 20,

-          Schreyer, Alte Hauptstraße 10

-          sowie bei beiden Bäckern.

 

Einen speziellen Butterhandel gab es bei

-          Großmann, Alte Hauptstraße 26 (steht nicht mehr),

 

einen Kaffeehandel bei

-          Frenzel, Bergweg 2.

 

Frische Gartenerzeugnisse erhielt man bei

-          Rosenkranz, Bergweg 3,

-          Emil Seifert, Mittelstraße,

-          Urland, Badstraße 12,

-          Willy Seifert, Bergweg 5 und in der

-          Gärtnerei Bürger, August-Bebel-Straße 13.

 

Bis Kriegsende fuhr Seifert auch noch mit dem Pferdegespann und Urland mit dem Hundegespann durch das Dorf und boten ihre Waren an.

 

Einen Fischhandel betrieb

-          Lina Zeiler, Landwehr 2.

 

Die Raucher wurden bei

-          Max Anders, Mittelstraße 11 oder

-          Elsa Philipp, Landwehr 3 bedient.

 

Textilien, auch Schuhe, konnte man bei

-          Prescher und Pätzold, Mittelstraße 11 oder

-          Sidonie Kind, Alte Hauptstraße 34 oder

-          Martha Anders, August Bebel-Straße 5.

 

Hüte gab es bei

-          Großmann, Pulsnitzer Straße 4.

 

Haushaltwaren konnte man bei

-          Freudenberg, Lichtenberger Straße 7 und

 

Lederwaren – damals wie heute – bei der

-          Firma Thielemann erstehen.

 

Futtermittel verkaufte

-          Paul Klotsche, Mittelstraße 10

 

Kohlen

-          Rudolf Gräfe, Alte Hauptstraße 24 und

-          Richard Schöne, August-Bebel-Straße 15.

 

Einen Schweinehandel betrieben

-          Willy Richter, Landwehr 5 und

-          Emil Richter, Mühlstraße 19.

 

Auch vom ambulanten Handel konnte man sich bedienen lassen: Von den Pfefferkuchenfrauen aus Pulsnitz, von Grünwaren-Guhr aus Langebrück, von Woll-Heinze aus Kleinröhrsdorf, vom Leinölmann, vom Eismann, der dann tödlich verunglückte, und von den Hausierern, die Knöpfe, Garn und Bänder anboten.

 

Orte der Geselligkeit waren

-          Obergasthof,

-          Niedergasthof (steht nicht mehr), die beide auch zum Tanz einluden, und die

-          „Linde“ in der Dorfmitte.

 

Lang ist auch die Liste der Gewerke und Dienstleistungen in früherer Zeit:

 

An der Spitze die Schneiderinnen und Schneider

-          Teich, Wiesenweg 2,

-          Hempel, Dresdner Straße 4,

-          Kleinstück, Mittelstraße 9,

-          Schönbach, Mittelstraße 2

-          Riesner, Alte Hauptstraße 18 (steht nicht mehr),

-          Großmann, Mühlstraße 5

-          Weitzmann, Röderwinkel

-          Kopp und Karsch, Mühlstraße 2,

-          Hommel, Alte Hauptstraße 38 und

-          Richter, Alte Hauptstraße 36.

 

Es folgten die Friseusen und Friseure

-          Thalheim, Badstraße 1,

-          Bachmann, Landwehr 5 und

-          Gerber, Mittelstraße 8.

 

Die Tischlerei

-          Urland befand sich in der Badstraße 12, die von

-          Alfred Fiedler in der Alten Hauptstraße 16.

 

Als Schmiede waren

-          Rothe, Alte Hauptstraße 22 (steht nicht mehr) und die

-          Werkstatt Rammer, Röderstraße 3, tätig.

 

Als Böttcher arbeiteten

-          Erwin Johne, Mittelstraße 6 und

-          Stiehler, Alte Hauptstraße 11;

 

Als Korbflechter

-          Oswin Anders, Mittelstraße 11,

 

als Maler

-          Georg Kaiser, Landwehr, und

-          Fritz Boden, Im Grund.

 

Schuhe konnte man

-          von Arthur Kind, Röderstraße 2, besohlen oder

-          vom auswärtigen Schuhmacher Klingel abholen lassen.

 

Wenn Uhren ihren Dienst versagten, schuf der

-          Lomnitzer Uhrmacher Klengel, der ins Dorf kam, Abhilfe.

 

Die Bandweberei war schon zurückgegangen, aber es standen immer noch Webstühle bei

-          Alex Weber, Alte Hauptstraße 24,

-          Thieme, Alte Hauptstraße 6,

-          Fritschka, August-Bebel-Straße 13 und bei

-          Pilz in der Waldstraße.

 

Für Autobesitzer gab es die Werkstätten von

-          Büttner (nachmals Erler), Dresdner Straße 3 und

-          Erwin Steinert im Obergasthof, der sich dann später mit Büttner zusammenschloss.

 

Bei beiden konnte man auch tanken.

Die damals noch jugendliche Reingard Erler vor der Tankstelle der Eltern

 

Zwei Fahrrad-Reparaturen nährten ihren Mann:

-          Petzold in der Röderstraße 2 und

-          Max Philipp, Landwehr 3 (die ehemalige „Besenschänke“).

 

Von den Mühlen war nur doch die Lehnertmühle im Niederdorf übrig.

 

Die Fuhrunternehmen von

-          Gräfe, Alte Hauptstraße 20 und

-          Seifert, Bergweg 5

sorgten dafür, dass Asche und Schutt beräumt wurden.

 

 

(Als Straßennamen wurden die jetzt Geltenden verwendet.)

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