Shari Shattuck

Tage wie Salz und Zucker

 Eine gefühlvolle, bewegende Frauengeschichte

 

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.10.2014

Verlag : Rowohlt TB.

368 Seiten

 

 

Zwei ungleiche Frauen,

eine einzigartige Geschichte.

 

Salz und Zucker haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Beides sind Zutaten, die selten zusammen anzutreffen sind, sprechen sie doch ganz unterschiedliche Geschmacksnerven an. Dennoch: Salz und Zucker sind lebensnotwendig, erwecken Grundbedürfnisse und bringen Zufriedenheit, wenn das Verlangen nach ihnen gestillt wird. Nicht gerade selten passiert es, dass die Grenze zwischen genug und zu viel überschritten wird und Essen zum ständigen Seelentröster wird, der fehlende Geborgenheit, Einsamkeit oder Traurigkeit kompensieren soll. Und auch wenn es auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, ist die Chance mit jedem Kilo mehr immer weniger von seinen Mitmenschen wahrgenommen zu werden gar nicht so weit hergeholt. Dass das Leben selbst wie Salz und Zucker sein kann, sich Tage so voll und rund anfühlen können und dass diese Tage in der Lage sind die Seele komplett ausfüllen, davon erzählt Shari Shattuck in ihrem Roman Tage wie Salz und Zucker.

 

Ellen ist Mitte zwanzig, stark übergewichtig und hält sich für unsichtbar. Egal wo sie sich befindet, keiner nimmt sie wahr oder beachtet sie. Zwar kommt ihr das beim Beobachten ihrer Mitmenschen, ihrer liebsten Beschäftigung nach dem Essen, sehr entgegen, doch fühlt sie sich gleichzeitig immer einsamer und verkriecht sich immer weiter in ihr Schneckenhaus. Als sie eines Tages im Bus auf eine junge Frau, die blinde Temerity, stößt, bekommt ihre Unsichtbarkeit erste Farbkleckse. Obwohl Temerity blind ist, ist ausgerechnet sie in der Lage, Ellen zu „sehen». Ellens Interesse ist geweckt und so folgt sie der jungen Frau aus dem Bus und sie ist es dann, die Temerity vor zwei Taschendieben retten kann. Fortan ist nichts mehr, wie es war, denn Temerity sprüht vor Lebensfreude und lässt keine Ausrede von Ellen gelten, mit der diese sich ihr oder vielmehr dem Leben überhaupt entziehen will. Zusammen fangen die beiden Freundinnen an, sich in das Leben ihrer Mitmenschen einzumischen und sind immer dann zur Stelle, wenn einem anderen Unrecht geschieht und greifen ein. Mit der Zeit wird Ellen dabei nicht nur mutiger, auch ihre Unsichtbarkeit wird Tag für Tag weniger …

 

Ellen kann es kaum glauben, dass Temerity in der Lage ist, sie zu „sehen«. Seit Jahren schon wurde sie von keinem mehr wahrgenommen und empfand ihr Dasein als Unsichtbare eigentlich auch als sehr angenehm. Aufgewachsen ohne richtige Familie und von der Mutter früh im Stich gelassen sind ihre Erfahrungen mit anderen Menschen nicht gerade positiv. Das soll sich ändern, als die blinde Temerity in ihr Leben tritt und ihr zeigt, wie aufregend das Leben sein kann. Fürchtet Ellen anfangs noch auch von Temerity oder ihrem Bruder wieder fallengelassen zu werden, fasst sie nach und nach Vertrauen in ihre neuen Freunde. War es ihr früher egal, was um sie herum passierte, beginnt Ellen nun mit Temerity, sich für ihre Nachbarn und Arbeitskollegen einzusetzen, anstatt sie weiterhin nur still aus dem Verborgenen zu beobachten und tatenlos dabei zuzusehen, wenn ihnen ein Unglück widerfährt. Nach und nach beginnt Ellen sich zu verändern …

 

In ihrem neuesten Roman erzählt Shari Shattuck die Geschichte einer jungen Frau, die Stück für Stück ins Leben findet und erkennt, wie schön es sein kann, dazuzugehören. Zwar hat Shattuck nicht gerade ein neues Thema für ihren Roman ausgesucht, dennoch ist ihr eine unterhaltsame und originelle Geschichte gelungen, die vor allem durch ihre sympathischen und ungewöhnlichen Charaktere punktet, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite gibt es die stark übergewichtige, dafür aber umso schüchternere Ellen, die schon Panik bekommt, wenn auch nur die Möglichkeit besteht, dass sie mit einer anderen Person sprechen muss und auf der anderen Seite die blinde Temerity, die scheinbar furchtlos auf fremde Menschen zugeht und vor nichts Angst zu haben scheint. Dass es da immer wieder zu witzigen Situationen kommen muss, ist vorprogrammiert:

 

»Ellen brach er Schweiß aus, so ungewohnt war es, mit jemand anderem zu gehen, der sich auch noch auf sie verließ. Temerity tat das jedoch so selbstverständlich, dass Ellen die Situation zwar immer noch nicht behagte, als sie das riesige Einkaufszentrum erreichten, aber sie hatte sich an ihr Unbehagen gewöhnt.«

 

Sprachlich einfach und in kurzen Sätzen erzählt die Autorin aus der Sicht ihrer Protagonistin, wobei es ihr gelingt, die Gedanken und Gefühle so darzustellen, dass es nicht schwer fällt sich mit der „Heldin" des Romans zu identifizieren und völlig in die Geschichte einzutauchen.

 

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