Sofia Caspari

Die Lagune der Flamingos

Familiensaga

 

Verlag Bastei Lübbe

Erstausgabe (D) 2012

592 Seiten

 

Inhalt

 

Argentinien, 1876: Die jung verwitwete Annelie Wienand ist mit ihrer Tochter Mina aus Frankfurt am Main eingewandert, um ein zweites Mal zu heiraten. Doch ihre Ehe ist eine bittere Enttäuschung. Für die vierzehnjährige Mina sind einzig die Treffen mit dem Nachbarssohn Frank Lichtblicke in ihrem rauen Familienalltag. Doch eines Tages geschieht etwas Schreckliches, und Frank muss fliehen ... Die Lebenswege dreier Familien sind unabwendbar miteinander verknüpft und entführen den Leser in die Welten von Arm und Reich, Ehrbahren und Verruchten, Hassenden und Liebenden.

 

Eine Fortsetzung des Romans „Im Land des Korallenbaums“ –

Doch in sich abgeschlossen

 

Mit ihrem ersten Argentinien-Roman Im Land des Korallenbaums hat Sofia Caspari eine Grundlage für die Familiensaga gelegt, die nun mit Die Lagune der Flamingos eine Fortsetzung erfährt. Doch bevor es ein Wiedersehen mit den bereits bekannten Figuren gibt, führt Caspari ihr Publikum zunächst nach Esperanza zu Annelie und ihrer Tochter Mina. Auf der Suche nach einem neuen Lebensglück hat sich die verwitwete Deutsche Annelie mit dem in Argentinien lebenden Witwer Xaver Amborn zusammen getan. Doch bei ihrem zweiten Ehemann erlebt Annelie nichts als brutale Gewalt und Arbeit. Xavers Sohn Philipp steht da seinem Vater in nichts nach. Zudem hat Philipp ein Auge auf die heranwachsende Mina geworfen. Er lauert auf eine Gelegenheit, sich seine Stiefschwester gefügig zu machen. Mina kann das Leben auf Esperanza nur dank ihrer Liebe zum Nachbarjungen Frank aushalten. Doch da geschieht ein Mord und Frank muss flüchten. Mina, die fest an Franks Unschuld glaubt, ist den Nachstellungen Philipps nun schutzlos ausgeliefert. Zusammen mit Annelie flüchtet sie von Esperanza und gerät in einen Strudel von Abhängigkeit und Gewalt. Doch da begegnet sie Eduard.

 

Hier verknüpft sich die Geschichte mit derjenigen der Familie von Anna Weinbrenner, um die es im ersten Teil vornehmlich gegangen ist. Annas Tochter Marlena ist inzwischen erwachsen und möchte sich ihr Leben nicht mehr von der Mutter vorschreiben lassen. Sie lässt sich auf einen Journalisten ein, der für die Rechte der armen Bevölkerung kämpft. Als sie schwanger wird, verlässt sie ihr Elternhaus und taucht unter. Doch auch Marlena hat sich das Leben einfacher vorgestellt.

 

Stimmige Verknüpfung

 

Für die Leser ist Die Lagune der Flamingos primär ein in sich abgeschlossener Roman. Auch als zweiter Teil einer Familiensaga kann er als eigenständiges Buch gelesen werden, ohne dass der Eindruck entsteht, einen wichtigen Teil der Geschichte verpasst zu haben. Wo nötig flicht Sofia Caspari ein paar Erklärungen ein. Sie geht damit aber sehr sparsam um, so dass weder die Neueinsteiger noch die Leser, die den ersten Band bereits kennen, den Anschluss an die Ereignisse verpassen oder sich bei zu vielen Rückblenden langweilen. Die neu hinzu gekommenen Schicksale verknüpft Sofia Caspari sehr geschickt mit denjenigen der bekannten Figuren. So entsteht ein stimmiger Ablauf, der viele Facetten aufweist.

 

Die vielen Facetten sind allerdings nicht nur ein Gewinn für den Roman. Mit der Zahl ihrer Protagonisten geht Sofia Caspari an die obere Grenze. Sie verlangt sehr viel von ihrem Publikum, bietet allerdings zu Beginn des Buches einen kurzen Stammbaum der wichtigsten Familien, was eine wichtige Orientierungshilfe darstellt.

 

Gesundes Maß an Beschreibungen

 

Viele Auswanderer-Romane kranken am Bemühen der Autoren, üppige Landschaften vor dem inneren Auge der Leser entstehen zu lassen. Sofia Caspari hat in dieser Hinsicht ein nahezu perfektes Maß gefunden. Sie vermag sehr wohl Bilder zu erzeugen, bleibt aber mit ihren Schilderungen eher zurückhaltend, was die positive Wirkung auf die jeweiligen szenischen Beschreibungen zur Folge hat. Auch den Klassenkampf, den sie vor allem durch Marlena und ihren Geliebten ins Spiel bringt, lässt die Autorin nicht zu viel Raum einnehmen. So bleibt das Buch das, was die Leser aufgrund des Klappentextes und in Folge des ersten Bandes erwarten dürfen: eine Familiensaga, die viel Nähe zu den Protagonisten zulässt, aber nicht in seichte Soap-Opera-Manier abtaucht.

 

Wer hier einen typischen Landschaft&Liebe-Roman erwartet, dürfte etwas Mühe mit der Geschichte bekunden. Dazu geht Sofia Caspari zu dicht an die Menschen heran und scheut sich nicht, die dunklen Seiten des Lebens darzustellen. Weder ihre Protagonisten noch die Gesellschaft werden verklärt dargestellt, auf Überhelden verzichtet die Autorin – vielleicht abgesehen von Anna Weinbrenner, die allerdings nur am Rande in Erscheinung tritt – nahezu ganz. So ist Die Lagune der Flamingos ein intensives Leseerlebnis, das in eine völlig fremde Welt eintauchen lässt, ein großes Stück Geschichte vermittelt und sowohl vom Plot als auch von der Sprache her überzeugt. Eine gelungene Fortsetzung der Saga, die schon beim ersten Band überzeugen konnte.

 

„Die Lagune der Flamingos“ macht einfach Lust auf mehr. Mehr Sonne, mehr Landschaft, mehr Liebe und Leid, mehr Argentinien. Wer das Buch zur Hand nimmt, sollte sich auf wundervolle Lesestunden fernab unseres Alltags einstellen.

 

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