Jesper Juul

Dein kompetentes Kind

Das Grundlagenwerk des berühmten

Familienpädagogen – überarbeitet und

in neuer Übersetzung

 

Ratgeber

Verlag: Rowohlt

Erscheinungsjahr: 2009

288 Seiten

 

 

Auf der Suche nach neuen Werten für die Kindererziehung und eine moderne Familie ist eines deutlich geworden: Kinder haben von Anfang an eine eigene Persönlichkeit und sind damit menschlich und sozialkompetente Partner ihrer Eltern. Wir Erwachsenen müssen lernen, auch störendes Verhalten in Botschaften zu übersetzen. Denn Erziehung ist ein Entwicklungsprozess - für die Eltern ebenso wie für die Kinder.

 

Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie

 

Jesper Juul vertritt in seinem Buch Dein kompetentes Kind die These, dass alle Pädagogik und Erziehungswissenschaft bis heute von der Prämisse ausgegangen ist, dass es bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen darum gehe, ein im Prinzip asoziales Wesen, das Kind, erwachsen zu machen, also zu einem Erwachsenen zu erziehen. Dieses Ziel haben sowohl die autoritäre wie die antiautoritäre Erziehung verfolgt, wobei Erziehung von beiden Richtungen immer als Machtfrage interpretiert worden sei. In den Augen Jesper Juuls geht es bei der Erziehung aber genau nicht um Macht, sondern um Gleichwertigkeit. Kinder, so Juul, sollten vor allen Dingen als gleichwertige Menschen ernst genommen werden. So hält Jesper Juul dem Erwachsenen immer wieder den Spiegel vor und fragt bei vielen Sprüchen und Erziehungsmethoden den Erwachsenen immer wieder, wie er es denn finden würde, von einem anderen genau so behandelt zu werden. Man würde, nach Juul, vollkommen zu Recht, nie wieder mit einer Person, die einen permanent demütigt und nicht für voll nicht, einfach nicht mehr sprechen.

 

Juul argumentiert so vor allem gegen eine Erziehungsmethode, die "wirken" wolle, also besser als eine andere sein wolle, weil es darum gar nicht gehen würde. Vielmehr geht es aus seiner Sicht darum, die Persönlichkeit von Kindern ernst zu nehmen. So bringt Juul etwa das Beispiel einer Vierjährigen, die genau weiß, was sie im Restaurant zu essen haben möchte, ihre Eltern gestehen ihr das jedoch nicht zu, weil sie glauben, sie möge es nicht. Die Eltern glauben also die Wünsche des Kindes besser zu kennen. Erst als der Kellner über die Eltern hinweg, dem Mädchen das bringt, von dem sie selbst weiß, dass sie es haben möchte, kehrt Ruhe in den Urlaub der Familie ein. Kinder sind nach Juul eben kompetent darin zu sagen, was ihre Bedürfnisse sind und Eltern sollten es einfach nicht besser wissen wollen. Eltern sollten vielmehr das Kind als Menschen respektieren. Dann würde man nach Juul auch sehen, dass Kinder nicht nur kompetent für ihr eigenes Leben seien, sondern in den allermeisten Fällen auch vollkommen kooperationswillig, eine Eigenschaft, die durch falsche Erziehung häufig ins Negative gewendet werde.

 

Einen wichtigen Punkt sieht Juul in der Unterscheidung zwischen Selbstvertrauen und Selbstgefühl. Aus Juuls Sicht reicht es nicht aus, seine Kinder bloß zu loben, sondern es geht darum, das Selbstgefühl des Kindes als solchem zu stärken. Ein Lob, also eine Leistungsbewertung kann sogar in manchen Fällen geradezu kontraproduktiv sein, weil es nach Juul eben nicht das Dasein, mithin die Existenz des Kindes als solches stärkt, sondern nur die Leistung belohnt. Kinder kooperieren durch Loben nur hinsichtlich ihrer Leistung und lernen so, dass es nicht auf ihren Selbstwert ankommt, sondern nur auf das Ergebnis, das sie produzieren. So werden nach Juul fremdbestimmte Individuen herangezogen, deren "existentielles Immunsystem" nicht aufgebaut worden ist. Doch auch das pädagogische Erziehungssystem, das vom 18. Jahrhundert bis ca. 1950 auf Kritik als Erziehungsideal setzte, sieht Juul erst recht nicht in der Lage, dem modernen Menschen eine Grundlage für sein Leben heute mitzugeben.

 

"Ein erfrischendes Plädoyer für Selbstbestimmung und Eigenverantwortung von Kindern." Sonntagsblatt

 

 

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